Müller-Thurgau (Silvaner, Rivaner)
Entstehungsgeschichte und Namensgebung
Die Züchtung dieser weißen Rebsorte wird dem Schweizer Dr. Hermann Müller (1850-1927)
aus Tägerwilen im Kanton Thurgau zugesprochen (er selbst nannte sich nach seiner Herkunft Hermann Müller-Thurgau).
In den Jahren 1867 bis 1890 war er an der damaligen Königlichen Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim
(Rheingau) tätig. Im Jahre 1891 kehrte er in sein Heimatland zurück und baute in Wädenswil am Zürichsee
eine Weinbauschule nach Geisenheimer Vorbild auf. Er nahm dabei 150 Sämlinge aus Geisenheim mit, darunter waren
wahrscheinlich die Urahnen des Müller-Thurgau. Dort beschäftigte er sich hauptsächlich mit der Kreuzung von
Rebsorten, war aber auch in der Erforschung von Rebstock-Krankheiten tätig. Im Jahre 1892 gelang Müller-Thurgau in
Zusammenarbeit mit Heinrich Schellenberg (1868-1967) mit der Zuchtnummer 58 eine (vermeintliche) Kreuzung zwischen den
Sorten Riesling (Mutter) x Silvaner (Vater), das Ergebnis wurde dann selektioniert. Der Müller-Thurgau war geboren,
die Elternschaft galt lange Zeit als Tatsache. Deshalb gibt es auch die Synonyme Riesling-Silvaner, Rivaner und
Rizling-Szilváni (Ungarn).
Müller-Thurgau heute
In Deutschland ist Müller-Thurgau nach dem Riesling mit knapp 19.000 Hektar Rebfläche die zweithäufigste Rebsorte. Vor allem ist sie in den Weinbau-Gebieten Rheinhessen, Baden, Pfalz, Mosel-Saar-Ruwer und Franken verbreitet. In Österreich wird sie in allen Weinbau-Gebieten auf knapp 3.300 Hektar Rebfläche angebaut und gerne als Verschnittpartner bei sortenreinen Weinen (bis max. 15%) verwendet. In der Schweiz hat sie einen Anteil von 5%. Die Rebe braucht nährstoffreiche Böden, kühle Lagen und bringt hohe Erträge.
Müller-Thurgau und Bekömmlichkeit
Die fruchtig-frischen und eher säurearmen Weine sind blass bis hellgelb und haben manchmal einen leicht aromatischen Muskatton. Die Weine werden zumeist trocken ausgebaut und entwickeln sich sehr rasch, deshalb sollten sie eher jung getrunken werden. Sie sind im allgemeinen sehr leicht und meist für jedermann bekömmlich.
Weinbergslage des Weingutes Franz Feilen

Bild: Dhroner Hofberger


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